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Suizid bei Männern

Nach dem letzten Interview mit Männerberater Klaus Schmitz musste ich viel nachdenken, über die Themen, von denen er erzählt hat.

 

Welche Symptome der „Männer-Depression“ passten auf meinen Vater? Erhöhter Alkoholkonsum, vermehrte Ablenkung, erhöhte Reizbarkeit… Über die letzten 10 Jahre trafen wohl so einige dieser Anzeichen immer mal wieder auf ihn zu. Wenn ich Klaus in seinen Ausführungen so zuhöre, wie er beschreibt, dass Männer oft impulsiv handeln, dass sie im Grunde nicht sterben wollen aber gerade keinen Ausweg sehen, dann quält mich erneut die Frage „Hätte ich es verhindern können?

 

Wenn ich ihn an dem Tag, in dem Moment angerufen hätte? Wenn ich an dem Tag bei ihm gewesen wäre? Wenn ich ihm mehr Unterstützung angeboten hätte? Wenn ich ihm mehr gezeigt hätte, dass ich ihn lieb habe? Wäre er dann noch da?

 

War es nur ein Impuls oder wollte er wirklich sterben? Wenn ich diesen einen Moment hätte verhindern können, hätte ich im nächsten Moment auch da sein können? Er wäre nie bereit gewesen eine Therapie oder Beratung aufzusuchen, so dass ihm jemand hätte langfristig helfen können. Seinen langen Leidensweg kann ich heute nur erahnen. Vielleicht hätte ich den einen Moment verhindern können, aber wie wäre es dann weiter gegangen? Ich hätte nicht immer da sein können. Psychologische Hilfe hätte er nicht angenommen. Und ohne seinen eigenen Willen, sich Hilfe zu holen, hätte es vielleicht keinen Moment gegeben, in dem ich ihn hätte allein lassen dürfen…?

 

Mein Vater ist noch mit dem klassischen Rollenbild aufgewachsen. Als Kind der Nachkriegsgeneration hatte er keine Zeit, sich um Gefühle zu kümmern. Er musste funktionieren,  seinen Eltern unter die Arme greifen. Und als Mann hat er dies weiter so umgesetzt, stark zu sein und belastende Gefühle nicht so ernst zu nehmen.

 

 

Mit meinem heutigen Wissen über Depressionen und Suizid, versuche ich achtsamer zu sein im Umgang mit meinen Mitmenschen. Nun weiß ich, dass es nicht nur die „klassischen“ Symptome bei einer Depression gibt, sondern grundsätzliche Verhaltensänderungen auch Anzeichen sein können, auf die ich achten sollte. Ich versuche, meine eigenen Rollenbilder zu überdenken und immer wieder zu hinterfragen. Ich bin sehr froh, dass wir als Gesellschaft anfangen, diese Rollenbilder aufzulösen und versuchen, Menschen nicht mehr in Schubladen zu stecken. Ich versuche durch meine Offenheit zu diesem Thema, anderen Menschen den Mut zu geben, ebenfalls über ihre Gefühle zu sprechen und wünsche mir sehr, dass wir einen offeneren Umgang mit unseren Gefühlen schaffen, unsere angelernten Rollenbilder überdenken und es irgendwann so normal ist zu einem Psychologen zu gehen, wie zu jedem anderen Arzt.

 

Am Ende geht es nur darum, dass jede und jeder mit seinem Leben glücklich ist.

Das wünsche ich euch! 

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Kommentare: 1
  • #1

    Sabine (Mittwoch, 05 August 2020 11:51)

    Liebe Katharina, du hättest deinen Vater nicht retten können. Du wünschst uns ein glückliches Leben. Das selbe wünsche ich dir! Ich warte schon auf deinen nächsten Beitrag. Es ist sooo wichtig, dass die Menschen mehr über Selbsttötung, aber auch über die Gefühle von Angehörigen erfahren!